Herzlich willkommen

beim Volksmusik-Magazin des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e.V.

Auf dieser Plattform präsentieren wir – die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Volksmusik – interessante Ergebnisse aus der täglichen Arbeit in den Beratungs- und Forschungsstellen für Volksmusik in Altbayern, Franken und Schwaben.

Hier finden Sie Wissenswertes und Hörenswertes über die Volksmusik in Bayern allgemein und im Besonderen über unsere Arbeit: Es gibt historische und neu gesetzte Noten für Instrumentalmusik bzw. Lied- und Tanzblätter zum Herunterladen, außerdem Musikbeispiele und Informationen zu unseren  Veranstaltungen u.v.a.m.

Lesen Sie mehr darüber und über die verantwortlichen Blog-Autoren unter dem Menu „Über uns“.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern, Lesen und Hören und hoffen auf rege Rückmeldungen über die angebotene Kommentarfunktion.

Alte Schätze – neu entdeckt

Vor einigen Jahren haben wir zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik Bezirk Mittelfranken die Notenausgabe „Alte Schätze – neu entdeckt“ Album 1 für kleine Blaskapellen herausgegeben. Sie enthält sechs historische Arrangements aus Publikationen der Verlage Hermann Silwedel (Landsberg an der Warthe) und H. Hofmann (Kirchberg in Sachsen). In vielen Nachlässen fränkischer Kapellen finden sich Notenhefte dieser beiden Verlage und an der Abnutzung lässt sich erkennen, dass diese Noten gerne genutzt wurden.

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Kleine feine Jodler aus dem Allgäu

Ein Herzensprojekt ist nun fertig geworden. Die Sammlung „Kleine feine Jodler aus dem Allgäu“. Es ist eine Mischung aus Dokumentation und Weiterentwicklung von zweistimmigen Jodlern aus dem Allgäu, die ich in den 1980er und 1990er Jahren aufzeichnen konnte. Lange lagen die Jodler bei mir in der Schublade und warteten auf eine Veröffentlichung. Da sich der Jodler im Allgäu in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt hat, was die Form und auch die Silben betrifft, hatte ich schon die Erfahrung gemacht, dass die Jodler, so wie sie mir von den alten Gewährsleuten vorgesungen wurden, von den Allgäuern nicht als „allgäuerisch“ empfunden wurden. „So duat mei bei uns it. Des isch falsch!“ Was nun also tun? Die Jodler so veröffentlichen, wie sie mir von den Gewährsleuten vorgesungen wurden, mit dem Risiko, dass sie nicht gesungen werden oder etwas Neues ausprobieren? Ich hab mich für die zweite Variante entschieden und das Experiment einer Neulautierung der alten Jodler gewagt.

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Dr Müller vo Egg hat siebazeh Beck

Der folgende Beitrag „Mühlenlieder in schwäbischen Liedaufzeichnungen“ stammt von Christoph Lambertz, Volksmusikpfleger beim Bezirk Schwaben:

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“, „In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad“ – die romantischen Volkslieder des 19. Jahrhunderts sind auch heute noch bekannt und vielgesungen. Sie können jedoch als Beleg dafür dienen, dass die Arbeitswelt des Müllers bereits vor 200 Jahren romantisch überzeichnet wurde. Ein anderes Bild des Müllerhandwerks zeigt sich, wenn man Lieder aus der volkskundlichen Liedaufzeichnung betrachtet. Dies sei an drei kleinen Beispielen gezeigt, die Dagmar Held vom Volksmusikarchiv in Schwaben und die Lehrerin Gertraud Gerich Ende der 1980er Jahre bei Gewährsleuten in Bayerisch-Schwaben dokumentieren konnten.

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Auf Schatzsuche in alten Notenbüchern

Die Ziemetshauser Notenhandschrift gilt als die derzeit älteste Musikantenhandschrift aus Bayerisch-Schwaben. Das kleine Büchlein umfasst insgesamt 158 Seiten und wurde von mehreren Schreibern im Zeitraum von 1750 bis 1830 angelegt. Genannt sei hier Tiberius Reiner; ein entsprechender Vermerk findet sich in der Handschrift auf Seite 125 wieder: „Tiberius Reiner in Zimetshausen 1794“. Des weiteren finden sich die Jahresangaben 1809 und 1830 der späteren Schreiber Johann Georg und Andreas Reiner in Holzara (ca. 25 km südwestlich von Augsburg bei Ziemetshausen gelegen).
In der ersten Hälfte des Buches befinden sich hauptsächlich, zweiteilige, z.T. menuettartige Stücke. Im Anschluss daran überwiegen ländlerartige Melodien, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgeschrieben wurden. Die Melodien sind alle einstimmig notiert, eine Instrumentenangabe findet sich nicht. Vermutlich handelt es sich aber um eine Handschrift für Geige oder Klarinette.
Aus einem Teil der Melodien sind bereits schon Arrangements für verschiedene Instrumentalbesetzungen entstanden.

Unter Nr. 33 der Handschrift findet sich eine Musikstück, das fast schon an orientalische Klänge erinnert. Gleich zwei Gruppen haben sich – unabhängig voneinander – von dieser schönen und außergewöhnlichen Melodie inspirieren lassen. Auf Schatzsuche in alten Notenbüchern weiterlesen

ScheinEilig-es Konzert

Im Notenarchiv der Forschungstelle für Volksmusik in Krumbach (Schwaben) sind sehr viele alte Notennachlässe eingelagert, die zum Teil seit vielen Jahren in den Archivschachteln vor sich hinschlummern. Ein Teil des Notenmaterials wird weiterverarbeitet und arrangiert, und dann auf Lehrgängen – außerhalb unserer vier Wände – wieder zum Klingen gebracht.
Da kam uns die Idee, das wir doch unser Notenarchiv selber mal im Rahmen eines Konzertes mit Musik füllen könnten.
Die passende Gruppe war mit „ScheinEilig“ schnell gefunden. Die drei Musiker Johannes (Trompete), Martin (Akkordeon) und Stefan Hegele (Helikon) aus Violau verwöhnten das Publikum mit traditionell schwäbisch-bayerischer VolXmusik, die zum Teil aus unseren Archivnoten stammt, gemixt mit Kultsongs und Tanzliedern aus vergangen Jahrzehnten zurück bis in die 20er und 30er Jahre. Auch Ausflüge in die Klassik wurden unternommen. Zahlreiche Eigenkompositionen des Trios, angereichert mit einer Prise Humor, sorgten für so manchen Lacher im Publikum – ebenso die Anmoderation der Stücke, die in kleine, witzige Geschichten verpackt, von den Dreien selber gemacht wurde.
Im Alten Rathaus in Krumbach, in dem auch unser Archiv untergebracht ist, bot das Foyer den passenden Raum für unser Konzert. Bis auf den letzten Platz gefüllt, erlebten die Zuhörer einen äußerst unterhaltsamen und kurzweiligen Abend.

Und hier gibt es eine kleine Kostprobe, die aus der Feder von ScheinEilig stammt: „Der Barthel und sei Moscht“

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Schlitten frei!

Wenn die Schneedecke es zulässt, verwandelt sich die Zufahrt zum Friedhof in meinem Heimatort Schießen (Lankkreis Neu-Ulm in Bayerisch-Schwaben) in einen Schlittenberg.
Die Gemeinde hat ein Herz für Kinder und gibt den Berg zum Schlittenfahren frei. Und damit auch alle wissen, dass hier nach Herzenslust gerodelt werden kann, hat sie sogar ein eigenes Verkehrsschild aufstellen lassen. Das find ich echt Klasse! Letzte Woche war bei herrlichem Winterwetter der Berg mit vielen schlittenfahrenden Kindern bevölkert, die mit Riesenspaß den Hang hinuntersausten.

Für alle singfreudigen Schlitten- und Skifahrer hat sich die Lehrerin Irene Gehring aus Gunzesried im Oberallgäu ein Lied einfallen lassen. In diesem Sinne: Schlitten frei!

An Bichl nüs

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Ihr Kinderlein kommet …

Das bekannteste aller Weihnachtslieder – Stille Nacht, heilige Nacht – feiert heuer seinen 200. Geburtstag. Im schwäbischen Thannhausen und Umgebung blickt man sogar noch etwas weiter zurück, denn vor 250 Jahren wurde Christoph von Schmid, der Verfasser des Textes von „Ihr Kinderlein kommet“, geboren. Der Text und die Melodie sind uns wohlvertraut. Das Lied wird besonders gerne bei der Kinderkrippenfeier am Hl. Abend gesungen oder wenn eine Kindersegnung in der Weihnachtszeit stattfindet. Als Organist habe ich es in den letzten Jahren eigentlich immer nur bei diesen Gottesdiensten eingesetzt, in denen auch die Kinder im Mittelpunkt standen. Es scheint zunächst ja auch ein Lied für Kinder zu sein, was nicht nur im Text der ersten Strophe deutlich wird, sondern auch in der Absicht des Verfassers. Ihr Kinderlein kommet … weiterlesen

Von Schafen, Liedern und Genies

Im September 2018 war Maria Anna Sauter aus Ebershausen als Praktikantin in der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben in Krumbach zu Gast. Während ihres zweiwöchigen Praktikums bekam sie einen Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche der Forschungsstelle. Aber lassen wir sie selber erzählen:

Von Schafen, Liedern und Genies

Was genau machen eigentlich die Mitarbeiter der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben? Und wie sieht ihre Arbeit aus?
Diese Fragen habe ich mir gestellt, als ich mich im Mai 2018 in Krumbach für ein zweiwöchiges Praktikum bei der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben beworben habe. Von Schafen, Liedern und Genies weiterlesen

Stehn zwei Stern am hohen Himmel

Zur Zeit begleitet mich ein Ohrwurm und wie das bei Ohrwürmern so ist, meldet er sich gleich beim Aufwachen, begleitet mich auf dem Weg zur Arbeit und summt mich abends in den Schlaf. Eingepflanzt hat ihn mir meine Tochter Magdalena, die ganz beseelt von einer Chorprobe nach Hause kam. Für eine Konzertreise nach Südamerika mit dem Kammerchor der Universität Augsburg studierten sie auch einige deutsche Volkslieder ein und eins davon fand sie ganz besonders schön: „Stehn zwei Stern am hohen Himmel“, ein sehr poetisches Liebeslied mit einer wunderschönen Melodie. Sie hat es mir gleich vorgesungen und seitdem lässt mich die Melodie nicht mehr los. Auch den Text finde ich sehr berührend:

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Die Deandln vom Woid habn a Herz als wia s’Gold – Feldforschung als Fundgrube überlieferter Lieder

Viele deCOVERr liabsten Liader wurden bei Feldforschungen aufgezeichnet, wie z.B. die schöne niederbayerische Ari „Aber eantadhoi der Doana“. Im Nachfolgenden könnt ihr einen kleinen Einblick in die Feldforschungsarbeit gewinnen, die für uns immer wieder Quelle und Inspiration ist.

Unter Feldforschung im soziologischen und volkskundlich-wissenschaftlichen Sinn wird „die systematische Erforschung von Kulturen oder bestimmten Gruppen verstanden, indem man sich in deren Lebensraum begibt und das Alltagsleben der Menschen zeitweise teilt. Mithilfe eines oder mehrerer Informanten und durch gezieltes Fragestellen sowie teilnehmende Beobachtung werden wissenswerte Informationen über die betreffende Kultur oder Gruppe gesammelt.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung aufgerufen am 16. Januar 2018)

Gerade das Volkslied ist ein typisches Untersuchungsgebiet volkskundlicher Feldforschung gewesen, national wie international. Dennoch trifft der Begriff nur sehr eingeschränkt auf unsere Feldforschungen zu. Es ist vielmehr ein Sammeln mehr zufällig angetroffener Lieder oder möglichst ergiebiger Quellen. Systematische Erforschung findet nicht statt, die Vorgehensweise ist sehr individuell. Aber immerhin: er werden Sänger und Sängerinneninnen, Musikanten und tanzkundige Menschen aufgesucht und nach ihren musikalischen Erfahrungen und Kenntnissen befragt oder Notenkisten durchgeblättert. Ihre Lieder und Musikstücke werden auf Tonband aufgenommen, Notenblätter kopiert oder zum Kopieren ausgeliehen, Tänze werden choreografisch aufgezeichnet, und es wird nach den Lebenszusammenhängen gefragt, in denen diese Musikalien verwendet wurden.

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Ein Lied kommt nach Hause

Ich hoffe, einige von euch haben schon das ein oder andere der „Liabsten Liader“ zu eigenen Lieblingsliedern gemacht! Zu einigen der Lieder gibt es auch besondere Geschichten, sei es nun zu den Sängern, die die Lieder vorgesungen haben, zur Situation der Aufzeichnung oder zu den Gelegenheiten, bei denen sie gesungen wurden. Eine ganz persönliche Geschichte kann Simone Lautenschlager, die ja auch bei dem Singprojekt „Lauter liabste Liader“ mit dabei war, erzählen. Lassen wir sie jetzt selbst zu Wort kommen:

Als ich im Sommer 2simone003 nach Herrsching zum Bayerischen Dreiklang fuhr, wusste ich noch nicht, mit welchem Schatz ich nach Hause kommen sollte. Wie immer lernte ich in der Singstunde eifrig alle Lieder. Darunter eines, das besonders schwierig auswendig zu lernen war. Ständig noch eine Schleife und noch ein Melodieanhängsel. So schien es mir zumindest. Eine ganze Woche habe ich gebraucht, um die Melodieführung zu lernen.

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In da Fosnat

Lied in der Faschingszeit

In der Fosnat dou is luste bearb

 

Download der PDF-Datei (82 KB) hier: In-der-Fosnat-dou-is-luste.pdf

Für die Offenen Singabende in der Faschingszeit war ich auf der Suche nach einem entsprechenden Lied. Fündig wurde ich im maschinenschriftlich (Texte) und handschriftlich (Melodien) abgefassten Büchlein von Horst Grünbauer mit dem Titel: 75 Lieder aus dem singenden, klingenden Dorf [Neuhäusl] an der böhmisch, bayerischen Grenze, München 1981 (Selbstverlag „D’Grünbauer Stub’m Musi“). 

Das Lied scheint eher lokal in Gebrauch gewesen zu sein. Eine weitere Aufzeichnung oder Druckausgabe ist mir bisher nicht bekannt geworden. Zum Verwechseln ähnlich lautet der Anfang eines jedoch gänzlich unterschiedlichen Liedes in der Tirschenreuther Liedermappe 8 vom Jahr 2004, Nr. 12: „In da Fosnat, dao woars luste“. Dieses adaptiert die Melodie von „Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön“ auf eine gereimte Reminiszenz von Heimatvertriebenen an die Faschingstage in der früheren egerländischen Heimat.
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